E02 - Jane Austens musikalische Welt
Shownotes
In dieser Folge des Hamburger Salons begrüßt Lotti Vonderalster die Zuhörerschaft und führt als alleinige Gastgeberin durch das Thema Musik in Jane Austens Leben und Werk. Sie stellt ihr Jahresprojekt vor, sämtliche Werke Austens zu lesen, und kündigt an, sich in dieser Episode insbesondere der Rolle der Musik in Austens Romanen, ihrer Biografie sowie deren filmischer Adaption zu widmen.
Besonders hervorzuheben ist die detaillierte Analyse, wie Musik in Austens Romanen subtil zur Charakterzeichnung und Gesellschaftskritik eingesetzt wird, etwa am Beispiel der Schwestern Mary und Elizabeth Bennet. Die Episode bietet zudem einen fundierten Einblick in Austens musikalische Praxis anhand ihrer Notensammlungen und reflektiert kritisch die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen im Kontext des Musizierens. Die Verbindung von Literatur, Biografie und Musikgeschichte wird durch die Besprechung des Albums 'Jane Austen's Piano' und die Diskussion über die Wirkungsmacht von Musik in Literatur und Film anschaulich gemacht.
Zum Abschluss fasst Lotti Vonderalster die zentrale Erkenntnis zusammen, dass Musik in Jane Austens Werk weit mehr als ein Beiwerk ist, sondern einen Erfahrungsraum und Schlüssel zu ihrem ästhetischen Denken bildet. Sie hebt die gesellschaftskritische Dimension hervor und lädt die Zuhörerschaft ein, in der nächsten Folge den Fokus auf Filmmusik und deren Umsetzung literarischer Motive zu richten.
Musik (Intro und Outro) - Gregor Quendel: Goldberg Variations - Variation 10 for Springs
https://freesound.org/people/GregorQuendel/sounds/711144/ (26.04.26)
Notenarchiv der musikalischen Familienkollektion: https://archive.org/details/austenfamilymusicbooks (26.04.26)
Jane Austen: At Home With Music https://www.youtube.com/watch?v=wzx0wgQjv1Q (26.04.26)
Janeba Kaneh-Mason https://www.kannehmasons.com/2025/10/03/jeneba-kanneh-masons-new-ep-jane-austen-piano-coming-december-2025-on-sony-classical/ (26.04.26)
Transkript anzeigen
00:00:00: Hochgeschätzte Zuhörerinnen und Zuhöre.
00:00:02: Ich freue mich, Sie zur zweiten Folge des Hamburger Salons begrüßen zu dürfen!
00:00:07: Es darf wohl als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass ein gutes Gespräch Zeit verlangt – nicht eilfertig sondern mit Bedacht und Ruhe.
00:00:17: Und genau diese Zeit wollen wir uns heute auch wieder nehmen.
00:00:20: Auch in dieser Folge bleiben wir bei Jane Orston, deren Werke mein Lesejahr im Jahr ist, begleiten wird.
00:00:27: Für diejenigen unter ihnen, die heute zum ersten Mal dabei sind.
00:00:31: Ich habe mir vorgenommen innerhalb eines Jahres ihr gesamtes Werk zu lesen und mich ihm Schritt für Schritt auf verschiedenen Ebenen zu
00:00:39: nähern.".
00:00:40: Während es in der ersten Folge um dieses Vorhaben selbst ging, hören wir heute genauer hin – auf das was zwischen den Zeilen klingt!
00:00:48: Und dass im wahrsten Sinne des Wortes denn im Zentrum dieser Folge steht die Musik.
00:00:53: Die Musik ist eine Erzählebene, die man in Jane Austen's Romanen leicht überliest.
00:00:59: Sie findet oft nur leise Erwähnung – ist aber wie sie in dieser Folge feststellen werden nie zufällig!
00:01:05: Wir werden uns damit beschäftigen, in welcher Weise sich Austen in ihren Texten mit Musik auseinandersetzt, welche Rolle sie in ihrem Leben spielte und wie sie an den filmischen Adaptionen ihrer Werke neu interpretiert wird….
00:01:18: Es sind also drei Ebenen, die uns begleiten werden.
00:01:21: Die Primärliteratur, die Biografie und die Filmmusik.
00:01:26: Hinter dem Mikrofon spricht Lotti von der Alster eine gebürtige Hansa Arten mit einer Neigung zur Literatur und zur klassischen Musik – insbesondere wie sie vielleicht im Hintergrund hören und schon erkannt haben zu Johann Sebastian Bach.
00:01:40: Der Hamburger Salon versteht sich als ein Ort an den wir aus dem vollen Repertoire der Sprache schöpfen und die zarten Regung der Künste im eigenen Inneren weiterführen.
00:01:50: Heute bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen historischer Klangwelt und zeitgenössischer Interpretation, und weil uns die Musik durch dieses Gespräch führen wird entdecken wir vielleicht gemeinsam dass jede gute Geschichte nicht nur gelesen sondern auch gehört werden will!
00:02:09: Wenn ich auf das Thema dieser Podcast-Folge blicke bin ich erstaunt darüber Wie sehr das Thema Musik in Jane Austen's Werken und ihrer Rezeption an mir vorbeigegangen ist.
00:02:20: Denn je mehr ich diesem Themenfeld Aufmerksamkeit schenkte, desto bewusster wurde mir, dass unbedingt über die Musik gesprochen werden
00:02:26: muss.".
00:02:27: Und so haben sich viele scheinbar zufällige zunächst unverbundene Momente mich darin bestärkt diese Folge aufzunehmen weil es sehr spannend ist wie subtil die Musik wirkt aber welche große Wirkungsmacht sie dann doch?
00:02:42: am Ende entfaltet.
00:02:44: Ein erster Wink für dieses Thema war mir das Album der britischen Pianistin Johnneba Kenna Mason mit dem Titel Jane Austen's Piano.
00:02:52: Das Besondere an diesem Album ist, dass es Musik versammelt die tatsächlich aus Jane Austens Zeit stammt und Klavierwerke enthält mit denen sie selbst vertraut war.
00:03:02: Dieser Moment verbannt sich mit einem anderen Moment der schon weiter in der Vergangenheit zurückliegt.
00:03:09: Es begann, wenn man so will mit einer kleinen kognitiven Dissonanz und damit ist jener Widerspruch gemeint in dem das was wir wahrnehmen nicht ganz mit dem übereinstimmt was wir zu wissen glauben oder sogar zu erwarten meinen.
00:03:21: So ging es mir zumindest mit der Verfilmung von Stolz und Vorteil aus dem Jahr zwei tausendfünf denn eine Freundin hat mich darauf aufmerksam gemacht dass in das Cinemepemballee in der Jajana am eigentlich Czembalo- oder Hammerflügel sitzt im Wahrheit der Klang eines modernen Klaviers zu hören ist Und die Hörerwartung entsprach also nicht dem, was ich eigentlich vor meinen Augen sah.
00:03:43: Diese historische Ungenauigkeit hat mich noch jahrelang gedanklich verfolgt – aus welchen Gründen auch immer – jedoch hat sie mich auch gleichermaßen nicht gestört.
00:03:52: Vielmehr lag eine Faszination in diesem Erlebnis und ja… eine Fassination sogar für diese Irritation die mich noch mal zu einem genaueren Blick auf die Filmmusik geführt hat.
00:04:02: Denn wie viel Originalmusik aus der Zeit Jane Austen wird in der Verfilmung überhaupt genutzt?
00:04:08: Ein weiterer Impuls ergab sich durch die neue BBC-Verfilmungen The Other Bennet Sister, in der das musizierender Tochter Mary Bennets aus Stolz und Vorurteil aufgegriffen wird – denn wir kennen alle die Szene an der Mary am Klavier musiziert und abgebrochen wird, weil sich ihre Familie für ihren Auftritt schämt!
00:04:25: Musik wird hier zur Charakterzeichnung genutzt, was so Ostnesk elegant und scheinbar passiert, dass sie mir plötzlich eine Reihe von Fragen stellte die vorher nie in meinem Kopf aufkam.
00:04:36: Welches Verständnis hatte Orsten eigentlich vom Musik?
00:04:38: Hat sie selbst überhaupt musiziert um welche Rolle namens Musik in ihrem eigenen Leben ein?
00:04:44: Und wie nutzt Orsten überhaupt das Musikverständnis was sie zu ihren Lebzeiten vielleicht hatte um auch ihre Figuren zu zeichnen?
00:04:52: Gemeinsam ist diesen scheinbar willkürlichen und zufälligen Moment, dass sie in mir immer wieder ähnliche Fragen rund um das Thema Musik ausgelöst haben.
00:05:01: Voraus sich zunehmend ein Interesse an Jane Austens musikalischer Welt und ihre Rezeption entfaltet hat!
00:05:09: Wie ich im Laufe meiner Recherche festgestellt habe war Musik für Jane Austen weit mehr als ein bloßes Beiwerk.
00:05:16: Sie gehörte ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag.
00:05:19: dazu... Ein Blick in ihre überlieferten Notensammlung, darunter auch eigene Abschriften die digital zugänglich sind.
00:05:26: Sind nicht nur Dokumente eines Hobbys wie ich finde sondern sie sind auch Spuren eines Erfahrungsraums in dem gelebt erlernt und auch musikalisch reflektiert wurde.
00:05:37: Und genau an diesem Punkt setzt das Album mit dem Titel Jane Austen's Piano der britischen Pianistin Janneba Keine Mason an.
00:05:46: Dieses Album möchte ich im folgenden genauer besprechen, weil ich es zum einen sehr stark empfehlen kann.
00:05:52: Zum anderen ist das aber auch der Startpunkt meiner Reise in die musikalische Welt von Jane Austen.
00:05:59: Es hat mir sehr viele Aha-Momente beschert – aber ich finde das Album auch sehr lohnswert aus einer musikwissenschaftlichen Perspektive heraus, weil es viele grundsätzliche Fragen auf wird, wirft zur musikalischen
00:06:11: Auseinandersetzung.".
00:06:14: Wenn man sich das Album anschaut und auch die Werkauswahl betrachtet, merkt man schnell dieses Album präsentiert nicht einfach Musik aus einer vergangenen Zeit.
00:06:23: Sondern es versucht einen Zugang zu entwerfen zu diesem Erfahrungsraum!
00:06:28: Die Werkauswahl auf dem Album ist bewusst knapp gehalten und sehr konzentriert Denn das Album umfasst nicht mehr als achtundzwanzig Minuten, also damit ist es ein sehr, sehr kurzes Album.
00:06:40: Schafft aber auch einen klarumrissenden Hörraum.
00:06:45: Gerade diese Reduktion empfinde ich als große Stärke.
00:06:48: statt den Anspruch zu bilden, einen musikalischen Überblick zu schaffen, legt das Alboom dazu ein sich gezielt in eine Klangwelt hineinzubegeben.
00:06:56: Aber was heißt das jetzt genau, eine Klangwelt zu rekonstruieren?
00:07:00: Damit meine ich dass die EP den Blick auf Ostens ästhetische Umgebung lenkt.
00:07:05: Also das Album lässt uns erahnen welche Musik Jane Austen hörte spielte und innerlich verarbeitete.
00:07:12: Anders gesagt könnte man meinen wir hören nicht einfach Musik aus ihrer Zeit sondern wir hören die Musik aus Ihrer Perspektive heraus.
00:07:20: Rekonstruktion meint in diesem Kontext nicht historische Vollständigkeit, sondern eher eine Art Verdichtung.
00:07:27: Und es geht dann weniger darum, eine Epoche abzubilden, sondern darum die Bedingungen von Wahrnehmung erfahrbar zu machen – also welche Klänge waren für Jane Austen präsent?
00:07:37: Wie wurden sie angeeignet und im welchem Verhältnis standen Sie zueinander?
00:07:42: Wenn man sich dann die Werkauswahl anschaut stellt man fest Diese Werke sind nicht willkürlich gewählt, sondern sie basieren auf der Grundlage der Abschriften.
00:07:52: Die eben auch digital zugänglich sind glücklicherweise.
00:07:55: und dann kann man selbst sehen wie Jane Austen diese Werke handschriftlich notierte.
00:07:59: und damit haben wir eindeutig ein Beleg dass es ja das wir ihren Hörraum für uns Erfarber machen können.
00:08:08: wenn man sich die Werkauswahl genauer anschaut und auch diese fein kuratierte Selektion kommt man zu dem Punkt, an dem der Eindruck entsteht das Orstens Verhältnis zur Musik weit über bloße Liebhaberei hinausgegangen sein muss.
00:08:23: Diese Annahme lässt sich für mich aus mehreren ineinandergreifenden Aspekten erschließen.
00:08:28: Zum einen liegt das Jane Austen's musikalische Ausbildung nahe – wie ich herausfand erhielt Jane Auston Klavierunterricht bei George Chardt, dem Organisten der Winchester Cathedral, der zugleich auch im sogenannten Hampshire Music Meeting organisatorisch aktiv war.
00:08:45: Das war damals ein regionales Musikfestival und die Programme sind heute noch zugänglich, sodass sie uns einen Einblick schaffen in die damalige Hörpraxis.
00:08:53: Das ist super spannend und natürlich für uns ein gefundenes Fressen!
00:08:58: Denn so werden Kontexte sichtbar, mit denen sich Jane Austen umgab.
00:09:03: Und auf diese Hampshire Music Meeting wurde unter anderem auch die Musik von Georg Friedrich Händel aufgeführt und seine Sonaten hat sie nachweislich selbst abgeschrieben – also hier schließt sich der Kreis wieder!
00:09:16: Ein weiterer Punkt ist auch die Praxis des Abschreibens, den ich nicht nur als bloße Reproduktion verstehen würde sondern auch als eine Form der Verinnerlichung und Auseinandersetzung.
00:09:28: Musik wird im Abschreiben nicht nur konsumiert oder ist nicht nur eine mechanische Tätigkeit, sondern die Musik wird in ihrer Struktur nachvollzogen und damit auch Teil eines eigenen Wahrnehmungshorizonts.
00:09:42: Und weiter gedacht ist hier das Abschreiben-Ausdruck eines Aneignungsprozesses der für ein vertieftes Nachvollziehen von Strukturstil um musikalischer Logik steht.
00:09:58: Werkauswahl der IP sehr nahe, denn wir bekommen einen Einblick in ein breites Stilbewusstsein mit dem sich Jane Austen umgab.
00:10:09: Auf der IP begegnen sich sehr unterschiedliche musikalische Zeitschichten.
00:10:13: zum einen haben wir Georg Friedrich Händel, der für die barocke Tradition steht dann haben wir dort eine Suite von Josef Haydn, der Und dann hören wir auch noch eine Etude von Johann Baptiste Kramer und der kündigt bereits eine neue Sensibilität an, eine stärkere Ausrichtung auf Klangenausdruck um pianistische Eigenständigkeit was schon Anklänge an Ludwig vom Beethoven sichtbar macht.
00:10:40: Was hier hörbar wird in einer ganz besonderen Weise – das finde ich natürlich als aus einer musikwissenschaftlichen Perspektive besonders interessant – ist dass hier kein klarer Epochenwechsel im Vordergrund steht, sondern eigentlich die Aussage es existiert ein musikalisches Nebeneinander.
00:10:57: Vergangenheit gegen Wart und Zukunft existieren hier gleichzeitig und so wird die IP zu einer Momentaufnahme eines Übergangs in dem sich musikalische Maßstäbe verschieben ohne sich unbedingt abrupt ablösen zu müssen.
00:11:12: Genau diese Dynamik kennen wir ja auch aus Ostensromanen indem feinerzierte Prozesse von Entwicklung und Veränderung sich in den Charakteren widerspiegelt.
00:11:21: Und das leitet eigentlich auch schon zum nächsten Punkt über, die Verbindung vom Musik- und Literatur verweist schließlich auf eine weitere Dimension des hörbaren Erfahrungsraums – denn Musik zirkuliert!
00:11:34: Sie zirkulate zwischen Klang-, Text- und sozialem Kontext, sie wird gehört, gespielt, erinnert und literarisch verarbeitet.
00:11:42: Und interessant ist dass zwei der Stücke Auch erwähnt werden in Jane Austen's Roman.
00:11:51: Das eine Werk ist Robin Adair von George Keilmark, dieses Lied fand Eingang in Austens-Roman Emma und Johann Baptist Kramas.
00:12:01: Etude wird sogar ausdrücklich beschrieben als etwas ganz Neues Und das untermauert noch einmal die Wahrnehmung, dass Orsten sich in einem musikhistorischen Übergang befand wie ich finde weil diese Beschreibung ein unmittelbares Bewusstsein für ästhetischen Wandel ausdrückt.
00:12:18: Zusammenfassend kann man eigentlich sagen, dass die IP nicht nur eine historische Annäherung ist und man sie verdichtet auf eine sehr bewusste Art und Weise einen kulturellen Kontext.
00:12:30: Musik wird gehört gespielt erinnert und sogar auch hier literarisch verarbeitet.
00:12:35: Ich denke, das ist eigentlich die Proante.
00:12:38: Dass dieser Erfahrungsraum sich nicht vollständig darstellen lässt aber er lässt sich eben neu erschließen und das legt das Album nahe.
00:12:47: Es ist kein fertiges Bild sondern es versucht ein Zugang zu einem größeren Zusammenhang zu öffnen der erst im Zusammenspiel der einzelnen Perspektiven als ganzes sichtbar wird.
00:13:00: Mary hatte weder Talent noch Geschmack Und obwohl sie aus Eitelkeit fleißig war, wirkte ihr Spiel pedantisch und wichtig tourisch – was auch größerer Vollkommenheit auf dem Instrument Abbruch getan hätte.
00:13:13: Dem Vortrag der unaffektierten und natürlichen Elizabeth hörte man mit weit mehr Vergnügen zu, obgleich sie nicht halb so gut spielte.
00:13:22: Ich war am Ende ihres langen Konzerts froh, Komplimente und Dank für die schottischen und irrischen Tänze einheimisen zu können.
00:13:29: Die sie auf Wunsch ihrer jüngeren Schwestern gespielt hatte, welche mit Einigen der Lukas Mädchen und zwei oder drei Offizieren begeistert am anderen Ende des Raumes tanzen.
00:13:43: Auf den ersten Blick bildet das Zitat einfach eine typische Gesellschaftszene ab.
00:13:48: Jemand spielt Klavier andere hören zu oder tanzen dazu.
00:13:53: Aber wenn man genauer hinhört, passiert hier etwas viel Interessanteres und das sehr subtil.
00:13:58: Denn Jane Orston bewertet im Vergleich der beiden Schwestern hier sehr klar was als gutes Musikieren gilt.
00:14:05: Das Besondere daran ist dass Orston es gar nicht ausdrücklich erwähnt sondern die Bewertung im Erzählen selbst steckt.
00:14:12: Schauen wir genauer hin!
00:14:14: Mary ist fleißig, ehrgeizig diszipliniert – und Zucker auch erfolgreich.
00:14:19: ihre Musik erfüllt ihren Zweck.
00:14:21: Es wird getanzt, die Stimmung ist gut.
00:14:23: Am Ende bekommt sie Applaus und
00:14:24: Dank.".
00:14:25: Und trotzdem macht Orsten unmissverständlich klar – dieses Spiel ist nicht bewundernswert im Vergleich zu Elizabeth!
00:14:32: Warum eigentlich?
00:14:33: Weil Mary Musik zur Selbstdarstellung nutzt.
00:14:36: Ihr Vortrag wirkt pedantisch, wichtig tourisch, er will beeindrucken.
00:14:40: Die äußere Wirkung des gelingendes Abends kann nicht darüber hinwegtäuschen dass ihre innere Haltung problematisch ist… und das ist hier sehr entscheidend.
00:14:50: Selbst dort, wo die Musik Freude stiftet bleibt ein kritischer Unterton bestehen.
00:14:56: Elisabeth dagegen steht für das Gegenteil weniger perfekt, weniger ehrgeizig aber vor allem natürlich und ungezwungen.
00:15:03: ihr Spiel wirkt nicht wie eine Demonstration von Können sondern wie einen Ausdruck vom Persönlichkeit.
00:15:08: Musik soll berühren, nicht nur das eigene Können ausstellen.
00:15:12: Aber genau hier wird es interessant und vielleicht auch etwas widersprüchlich.
00:15:16: Denn wenn Marys Musik andere Menschen zum Tanzen bringen, dann berührt sie ja offensichtlich!
00:15:21: Sie erfüllt eine zentrale Funktion von Musik – sie erzeugt Bewegung, Gemeinschaft und Freude.
00:15:26: Warum sollte man ihr also absprechen, dass ihre Musik wirkt?
00:15:30: Und weiter gedacht, warum sollte es sich ausschließen, gleichzeitig sein Könn zu zeigen und andere damit zu erfreuen?
00:15:37: Genau an diesem Punkt gerät das scheinbar klare Urteil für mich ins Wanken.
00:15:41: Um nicht in eine reine schwarz-weiß Denken zu verfallen, lohnt es sich die Erzählweise selbst im Blick zu nehmen – denn Orsten lässt diese Ambivalenz eigentlich gar nicht zu!
00:15:50: Obwohl Marys Spiel objektiv funktioniert wird es erzählerisch abgewertet während Elizabeths weniger perfektes Spiel aufgewertelt wird….
00:15:59: Was hier sichtbar wird, ist eine sehr gezielte Leserlenkung.
00:16:03: Die Darstellung lässt kaum Raum für Zwischentöne – sie legt uns eine Interpretationale die zu Gunsten Elizabeths polarisiert.
00:16:11: Mary's Erfolg wird relativiert, ihre Wirkung wird gewissermaßen überschrieben durch die moralische Bewertung ihrer Haltung und damit verbindet Orston ein ästhetisches Urteil mit einer moralischen Kategorie.
00:16:24: Klingt es gut, sondern auch warum wird so gespielt.
00:16:28: Und vielleicht noch entscheidender wer darf überhaupt als authentisch gelten und wer nicht?
00:16:34: Was lässt sich daraus
00:16:35: mitnehmen?!
00:16:36: Musik wird hier weit mehr als nur eine beiläufige Unterhaltung, sie wird zum Instrument der Charakterzeichnung und der Gesellschaftsanalyse.
00:16:44: An einer scheinbar harmlosen Klavierszene entscheidet sich wie wir Figuren wahrnehmen, wem wir Sympathie entgegenbringen – und wessen Verhalten wir kritisch beurteilen!
00:16:53: Und genau in dieser Spannung liegt die Raffinesse.
00:16:56: Orsten zeigt uns eine objektiv erfolgreiche Darbietung.
00:16:59: Marys Musik bringt Menschen zum Tanzen, erzeugt Gemeinschaft, erfüllt ihren Zweck… und dennoch markiert Orsten sie als verfehlt.
00:17:06: Diese Diskrepanz ist kein Zufall, sie entsteht durch eine gezielte Leserlenkung die uns kaum erlaubt beide Seiten gleichzeitig stehen zu lassen.
00:17:15: Wirkung und Selbstdarstellung können und Eitelkeit.
00:17:18: Stattdessen wird ein normatives Ideal gesetzt.
00:17:21: Musik soll natürlich ungezwungen und vor allem authentisch wirken, wer davon abweicht gerät schnell in den Verdacht der moralischen Unzulänglichkeit.
00:17:30: Gerade hier wird es gesellschaftlich präsent – vor allem im Hinblick auf Frauen!
00:17:35: Denn im Kontext des Romans ist Musikieren für Frauen kein freier künstlerischer Ausdruck sondern Teil sozialer Erwartung.
00:17:42: Es gehört zu den sogenannten Accomplishments mit denen sie sich in der Gesellschaft präsendieren und letztendlich auch bewertet werden.
00:17:49: Das führt zu einem Paradoxenanspruch, den sicherlich viele Frauen kennen.
00:17:53: Eine Frau soll etwas können?
00:17:55: Aber es darf nicht nach Anstrengungen aussehen!
00:17:57: Sie soll wirken aber nicht wirken wollen.
00:18:00: Sie soll gefallen aber nicht gefallen wollen.
00:18:02: Mary überschreitet genau diese unsichtbare Grenze.
00:18:10: als Akteurin hervor und wird dafür erzählerisch sanktioniert.
00:18:14: Elizabeth hingegen erfüllt das Ideal, ihr Spiel wirkt beiläufig natürlich genug und unangestrengt und genau deshalb wird es als positiv gelesen selbst wenn es objektiv weniger perfekt ist.
00:18:25: Musik wird an dieser Textstelle zum Medium einer subtilen sozialen Zäsur.
00:18:31: nicht die Qualität allein entscheidet sondern die Art wie sie präsentiert wird ob sie den impliziten Normen vom Weiblichkeit entspricht.
00:18:38: Und vielleicht erklärt genau das, warum diese Ebene so leicht überlesen wird?
00:18:42: Sie bleibt im Hintergrund, wirkt selbstverständlich und genau darin liegt ihre eigentliche Wirkungsmacht.
00:18:48: Denn indem wir dieses Urteil scheinbar mühelos übernehmen, internalisieren wir die Maßstäbe, die hier angelegt werden.
00:18:54: Wir lernen Marys Auftreten als unangenehmessen zu empfinden ihr Spiel als übertrieben ihrer Ambition als störend obwohl ihre Musik objektiv funktioniert.
00:19:04: Was dabei geschieht, ist mehr als nur literarisches Verstehen.
00:19:08: Es ist die Übernahme einer bestimmten Perspektive auf weibliches Verhalten – eine Perspektives, die Ehrgeiz, Sichtbarkeit und dem Wunsch das eigene Können zu zeigen kritisch markiert.
00:19:18: Zumindest dann wenn sie von einer Frau ausgehen.
00:19:20: Indem wir diesem Urteil folgen, reproduzieren wir unbewusst eine Form von misogen geprägter Bewertung.
00:19:26: Frauen sollen können aber nicht so sehr.
00:19:28: Sie sollen wirken, aber nicht auffallen!
00:19:34: und genau dadurch entsteht eine besonders wirksame Form der Zensur.
00:19:37: Sie kommt nicht von außen als offenes Verbot, sondern von innen – als verinnerlichter Maßstab, als Gefühl dafür was zu viel ist, was unangenehm wirkt, das man besser zurücknehmen
00:19:48: sollte.".
00:19:49: Das macht sie so schwer greifbar und so wirkungsvoll, denn sie zwingt nicht, sie lenkt, verbietet nicht, bewertet!
00:19:56: Und sie sorgt dafür dass Frauen sich selbst regulieren.
00:19:58: noch bevor überhaupt Kritik von Außen laut wird uns hier also nicht nur eine gesellschaftliche Norm, er macht sichtbar wie solche Normen entstehen weitergegeben und schließlich verinnerlicht werden.
00:20:10: Und gerade die Musik ist hier ein besonders geeignetes Medium denn sie bleibt im Roman auffällig unbestimmt!
00:20:17: Wir hören nicht was gespielt wird wir kennen keine konkreten Stücke keinen Klang keine Interpretation im eigentlichen Sinne.
00:20:24: Musik erscheint hier nicht als greifbares Kunstwerk sondern vor allem als Wirkung als etwas, das bewertet wird ohne dass wir es selbst überprüfen können.
00:20:32: Und genau diese Unschärfe macht diese Textstelle so wirkungsvoll!
00:20:36: Weil uns die sinnliche Grundlage fehlt sind wir umso stärker auf die erzielerische Einordnung angewiesen.
00:20:42: Wir übernehmen die Bewertung weil wir keine eigene Wahrnehmungen dagegen stellen können.
00:20:46: Die Musik entzieht sich unserem Urteil und genau dadurch wird sie zum idealen Träger von impliziten Norm.
00:20:52: Hinzu kommt Musik wirkt unmittelbar emotional und sozial.
00:20:56: Sie entfaltet sich im Moment, im Raum, im Zusammenspiel mit anderen.
00:21:00: Wer spielt steht im Blickfeld und wird nicht nur künstlerisch sondern auch persönlich gelesen.
00:21:05: Das macht sie besonders anfällig für Zuschreibung.
00:21:08: Auch in diesem Zitat ist das noch Ausdruck oder schon Selbstdarstellung.
00:21:13: Ist das Engagement?
00:21:14: Oder Eitelkeit?
00:21:15: Ist das Präsenz, oder ein zu viel an Präsenten?
00:21:19: Solche Fragen lassen sich am Musik leicht festmachen und genau deshalb eignet sie sich so gut um soziale neue Normen hier scheinbar beiläufig zu transportieren.
00:21:28: Osten nutzt diese Subtilität präzise.
00:21:31: Die Musik drängt sich nicht in den Vordergrund, sie wird nicht analysiert oder beschrieben und gerade dadurch kann sie im Hintergrund umso stärker wirken.
00:21:40: Sie wird zum unauffälligen Medium einer Bewertung die wir kaum hinterfragen weil sie sich nicht an konkreten Details festmachen lässt.
00:21:47: Und das ist hier wie ich finde dass schriftstellerisch raffinierte und zugleich für die eigene Charakterentwicklung bemerkenswert bedenkliche.
00:21:57: Dass wir etwas übernehmen, dass wir nie wirklich gehört haben aber trotzdem für selbstverständlich erachten.
00:22:06: Also ich weiß nicht wie es ihnen geht Aber ich hätte wirklich nicht erwartet das in so einer scheinbar beiläufigen Szene So viel steckt.
00:22:13: Beim ersten lesen habe Ich das ehrlich gesagt komplett unterschätzt beim zweiten auch und im dritten hab ich's immer noch überlesen.
00:22:21: Und jetzt, wo ich meine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf das Thema Musik gelenkt habe, merke ich erst, welche Bedeutung dem Ganzen eigentlich zukommt.
00:22:29: Wie subtil und gleichzeitig wie wirkungsvollen Musik hier eingesetzt wird – nicht unbedingt als etwas, dass man tatsächlich hört sondern als etwas was bewertet wird, das soziale Räume strukturiert beziehungen spiegelt und Emotionen andeutet.
00:22:43: Und genau von dieser oft unterschätzten Ebene möchte ich den Blick noch ein Stück weiterführen.
00:22:48: Weg vom Roman selbst und hin zu seiner filmischen Umsetzung, denn da wird es dann richtig spannend!
00:22:54: Was passiert eigentlich wenn das was bei Orsten eher beschrieben eingeordnet oder beurteilt wird plötzlich hörbar wird?
00:23:01: Also wenn die Musik nicht mehr eine gesellschaftliche Praxis ist sondern tatsächlich als Kommentar dient und Emotion atmosphärisch auflädt?
00:23:10: Doch bevor wir diesen Schritt gehen, möchte ich ganz im Sinne des Hamburger Salons einen Moment innehalten.
00:23:16: Die Podcast-Folge ist zeitlich schon sehr weit fortgeschritten und wir haben bei Weitem noch nicht alles abgedeckt.
00:23:22: Doch bin ich der Meinung dass es manchmal ein wenig Zeit braucht quasi eine kleine Zäsur um das gehörte Nachkling zu lassen und diese Zäsure dient uns als kreative Pause wo sich das neue Wissen einerseits setzen darf und andererseits sich im stillen ganz von selbst vertieft.
00:23:38: Deshalb setze ich hier ganz bewusst ein Schnitt.
00:23:41: In der nächsten Folge als zweiter Teil widmen wir uns dann gezielter Filmmusik und begeben uns dann dorthin, wo aus einer literarischen Andeutung schließlich eine akustische Erfahrung wird.
00:23:53: Und damit kommen wir nun auch zum vorläufigen Ende dieser Podcast-Folge!
00:23:58: Wir haben – um eine kleine Zusammenfassung zu geben – einen genaueren Blick auf ein oft übersehendes Detail geworfen, die Musik in Jane Austen literarischer und gelebter Welt.
00:24:09: Und dabei sollte deutlich geworden sein, dass Musik doch mehr als ein bloßes Beiwerk ist!
00:24:15: Sie eröffnet uns einen Erfahrungsraum – und fungiert finde ich ganz stark als Schlüssel zu Ostens ästhetischem Denken.
00:24:23: Deutlich wurde für mich, dass Musik nicht neutral ist.
00:24:26: Sie steht in einem kulturellen Zusammenhang und macht sichtbar wie sehr musikalische Praxis von impliziten Norm geprägt ist.
00:24:34: Was zunächst wie harmloses Musikieren erscheint, erweist sich so als feine Form sozialer Kodierung – ich finde Orsten setzt das fantastisch als Sozialkritik ein!
00:24:45: Was denken Sie dazu, liebe Zuhörerschaft?
00:24:47: Ich würde mich freuen wenn sie zum zweiten Teil dieses Themas wieder einschalten würden.
00:24:52: Also zur dritten Podcast-Folge um den Blick auf die Ebene der Filmmusik zu richten und in diesem Sinne verabschiede ich mich bis dahin mit einer herzlichen Empfehlung ihre Lotti von der Alster.
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